40 Jahre Herzsport

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Oberhessische Presse vom 24.9.2016 von Michael E. Schmidt

 „Unsere Herzgruppen sind Teil der Erfolgsgeschichte des Deutschen Sports und heute fester Bestandteil jeder medizinischen Reha-Maßnahme nach Herzerkrankung. Die Turn- und Sportvereine leisten damit einen unverzichtbaren und von keiner anderen Institution zu stemmenden Aufgabe für den sozialen Zusammenhalt und den Gesundheitszustand unserer Gesellschaft“, sagen Dr. Friederike Damm, Abteilungsleiterin Gesundheitssport, und Fachübungsleiter Hans-Jürgen Gremm, die auf 40 Jahre Herzsport in Marburg zurückblicken können.

Damals, vor 40 Jahren in Marburg, haben sich ein Arzt des Uni-Klinikums, die Volkshochschule Marburg mit Klaus Peter Stock, Dr. Damm, Ärztin aus dem Universitäts-Institut für Rehabilitationsforschung, und die erfahrene Übungsleiterin Hiltrud Kleinhenz mutig und entschlossen dieser Aufgabe angenommen und eine Sportgruppe für „etwas ältere Bürger mit Herzerkrankungen“ angeboten.

Im Oktober 1976 begann der erste reguläre Herzsport-Übungsbetrieb in der Turnhalle der Friedrich Ebert Schule (heute Sophie von Brabandt Schule) mit zehn Frauen und Männern, davon zwei Herzinfarktpatienten. Heute, 40 Jahre später, trainieren in den drei Reha-Herzsportgruppen inzwischen regelmäßig rund 70 Frauen und Männer unterschiedlichen Alters und aus vielen Herkunftsländern.

In den Herzsportgruppen treffen sich Menschen mit unterschiedlichen Herzerkrankungen, wie zum Beispiel einer Herzleistungsschwäche (Insuffizienz) oder Herzrhythmusstörungen, Schrittmacher- und DefiTräger, Patienten nach den Folgen eines Herzinfarkts oder Bypass- und Herzklappenoperationen und anderen mehr. Neben der Überwindung von Ängsten, die durch die Krankheit entstanden sind, geht es um die Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit für den Alltag und den Beruf, die Motivation zu selbstständiger körperlicher Aktivität, die Freude an der Bewegung in einer überwachten Gruppe sowie die Reduzierung der Folgeschäden und die Vermeidung neuer Krankenhauseinweisungen. „Auch junge Menschen sind nach einer erworbenen Herzerkrankung bereits in ihrer Leistung eingeschränkt und können ihren Lieblingssport nicht mehr ausführen. Dieses wird dann als erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität empfunden, Herzsport hilft auch hier, die richtige Dosis zu finden“, betont Damm.

Der Arzt der Gruppe empfiehlt nach Kenntnis des Krankheitsverlaufs die richtige Dosis Sport zusammen mit dem Fachübungsleiter. Zu jeder Übungsstunde muss ein Arzt von Beginn an anwesend sein und eine Notfallausrüstung zur Verfügung stehen. Und die Stunde darf nur durch eine Fachübungsleiterin oder einen Fachübungsleiter mit der Sonderlizenz „Innere Krankheiten“ geleitet werden. So steht es in den Richtlinien zur Durchführung des Reha-Sports des Deutschen Behinderten Sportverbandes.

Laut Statistischem Bundesamt gab es 2015 in Deutschland etwa sechs Millionen Herz-Kreislauf-Erkrankte. Dies ist noch immer die häufigste Erkrankung. Rund 55000 Personen sterben jährlich in Deutschland am Herzinfarkt und seinen Folgen.

Im Laufe der Zeit wurde nachgewiesen, dass auch nach einem Infarkt wieder Ausdauerleistungen des Herzens durch gezieltes Training erreicht werden können. Dies haben sich auch die Herzsportgruppen Marburg auf die Fahnen geschrieben. Deshalb tragen heute Ärztinnen und Ärzte Verantwortung in den Herzsportstunden des VfL 1860 Marburg und deshalb sind dort Fachübungsleiter/innen tätig.

„Da die Zahl der behinderten Menschen mit einer erworbenen Herzkrankheit ständig steigt, hoffen wir, dass es auch künftig ausreichend Ärztinnen und Ärzte sowie fachlizensierte Übungsleiter und Übungsleiterinnen gibt, die sich ehrenamtlich in den Dienst der guten Sache stellen“, wünscht sich Dr. Friederike Damm und erinnert in diesem Zusammenhang an ein Zitat des Sportmediziners Prof. Dr. Wildor Hollmann: „Sport ist das preiswerteste Medikament mit der größten Wirksamkeit, der besten Dosierung, und den geringsten Nebenwirkungen.“ Auch der Herzsport.

Die Feier des 40. Geburtstags der Herzsportgruppen beginnt am Samstag um 17 Uhr im Haus des VfL 1860 Marburg (Leopold-Lucas-Straße 46A). Dabei werden die Herzsportgruppen von Dr. Friederike Damm vorgestellt. Zudem hält Prof. Dr. Petra Wagner aus Leipzig einen Vortrag zum Thema „Motivation im Gesundheits-und Reha-Sport, nur die Hälfte des Weges“.